Über Restaurants am Meer im Sturm, Pläne der Insel-Regierung für Mieter und die Gefahr für die Ibiza, wenn sich Insulaner die Insel nicht mehr leisten können.
Liebe Leser,

geht es Ihnen auch so? Mich nerven die Stürme ziemlich, die seit Wochen jeden Tag über Ibiza und Formentera fegen, die die Stände verwüsten und die Gläser von den Tischen der Strandrestaurants fegen. Mir tun die Betreiber der Restaurants am Strand leid. So wie Christian, Chef der Nassau-Gruppe, der den Mut hatte und hat, seinen Nassau Beach Club auch im Winter übers Wochenende offen zu halten. Gute Idee und guter Service, denn es kann wunderbar sein, auch im Winter am Strand bei Essen und Wein die warme Sonne zu genießen. Kann – aber bei dem Wetter ist der Strand kein Vergnügen. Da fliegen die Gläser vom Tisch. Gut, dass es drinnen im Nassau Beach Club warm und gemütlich ist. Und heute strahlt ja mal wieder die Sonne vom Himmel, und der Sturm soll auch erst mal durch sein. Auch die letzte Warnstufe GELB für hohe Wellen wurde vor wenigen Minuten aufgehoben. Jetzt heißt die Farbe des spanischen Wetterdienstes: GRÜN! Geht doch!
Was hat mich die Woche außer dem Sturm noch genervt? Was hat mich gefreut? Genervt hat mich eigentlich nur das Wetter. Erfreut hat mich die Nachricht, dass die Insel-Regierung nun – endlich – wirklich gegen extreme Wohnungsnot, überteuerte Mieten, illegale Vermietung an Touristen und auch unfaire Mieter angehen will. Ja, auch diese unfairen Mieter sind mit Schuld an der Wohnungsnot. Es stehen viele Wohnungen leer, weil die Vermieter die Erfahrung gemacht haben, oder sich davor fürchten, dass Mieter die Miete nicht zahlen, lukrativ untervermieten und die Wohnung besetzen. Ich hatte darüber hier in IbizaHEUTE-Online geschrieben, Link: Mieter
Zuschüsse für Mieter, Garantie für Vermieter
Die Insel-Regierung will mit Mietzuschüssen für die Mieter und einer Mietgarantie für die Vermieter gegen dieses Problem angehen. Sie will aber noch mehr tun: den Bau von menschenwürdigen Unterkünften für Saison-Arbeiter. Das ist keine gute Tat, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Denn Arbeitskräfte – vom Bauarbeiter über Ärzte und Krankenschwestern bis zu Polizisten – lehnen es immer öfter ab, nach Ibiza zu kommen, weil sie hier die teuren Mieten nicht zahlen können. Wir von IbizaHEUTE bereiten für unsere Printausgabe, die um den 20. März am Kiosk ist, einen Report vor. Und da ist eine Zahl, die den ganzen Wahnsinn vor Augen führt: Die Mietkosten einer vernünftigen Wohnung betragen über 130 Prozent des Einkommens.
Das bedeutet: Eigentlich kann sich kein Normalverdiener eine Wohnung leisten. Zumindest nicht mit „nur“ einem Job. Mir ist einer der Sätze bei unseren vielen Interviews zu diesem Thema noch immer im Ohr. Er lautete: „Meine Frau und ich haben beide eine feste Anstellung, wir arbeiten noch nebenher nachts in einem Restaurant, trotzdem können wir uns keine vernünftige Wohnung leisten.“
Die Flucht junger Leute von der teuren Insel
Die Folgen: Immer mehr junge Leute, die hier geboren sind, verlassen aus Not ihre Insel, um menschenwürdig anderswo leben zu können. Dann kommen die Folgen, die so aussehen: Unternehmen finden keine Arbeitskräfte, die sie dringend benötigen. Restaurants leiden unter Personalmangel oder stellen unausgebildete Hilfskräfte ein. Es fehlt Pflegepersonal in den Kliniken, es fehlen Polizisten, die unsere Sicherheit garantieren. Ich erinnere mich, dass ich schon vor Jahren geschrieben habe: Eine Politik, die auf die Reichen setzt, liegt falsch. Denn auch in den Villen werden Installateure gebraucht, wenn das Klo verstopft ist. In den Restaurants Köche, die dafür sorgen, dass die Gäste etwas zu essen bekommen, und Bauarbeiter, die die Millionärsvillen bauen…
Die Insel funktioniert nur, wenn die Dienstleistungen garantiert sind. Das bedeutet gut ausgebildetes Personal. Und das kommt nur, wenn es vernünftig und gut auf Ibiza leben kann. Was bringen Sonne, Meer, Lebensfreude und die wunderschöne Insel, wenn man daran nicht teilhaben kann und im Wohnwagen oder zu viert in einem Zimmer leben muss?
Gut, die Politik hat nun reagiert. Das ist vor allem das Verdienst des Inselrats-Präsidenten Vicent Marí. Der zwar der eher bürgerlich-rechten PP angehört, die auch als Partei der Vermögenden gilt, aber noch nie die Augen vor den Problemen verschlossen hat. Das war schon in seiner Zeit als Bürgermeister von Santa Eulària so, wo wir als IbizaHEUTE oft mit ihm zusammengearbeitet haben, wenn es um die Belange der Menschen ging. Er weiß, dass ein ungebremster Massentourismus genauso die Insel zerstört, wie Wohnungsnot und Inselflucht. Und er handelt. Das ist umso erfolgsversprechender, da jetzt auch Ibizas Bischof scharf die angegriffen hat, die mit der Wohnungsnot ihre Geschäfte machen und Wuchermieten verlangen.
Ibiza muss ein Paradies für alle seine…
Hoffen wir, dass die Politik nach vielen Jahren, in denen sie mehr zugeschaut als gehandelt hat, diese Probleme in den Griff bekommt. Denn ein Paradies kann eine Insel nur sein, wenn sich alle dort wohlfühlen und glücklich leben können. Und Ibiza, natürlich auch Formentera, sind Paradiese, wenn alle verantwortlich mit der Natur und den Menschen umgehen.
Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die Woche. Ach ja, heute ist auf der Insel Karneval. Da lohnt es sich besonders, den bunten Zug in Eivissa anzusehen. Er soll am heutigen Sonntag um 17 Uhr starten. Wir treffen uns vorher mit Freunden zum Essen im Casa Colonial, das jetzt auch sonntagsmittags geöffnet hat. Und am nächsten Sonntag, 22. Februar, 13 Uhr, ist dort unser IbizaHEUTE-Feinschmecker-Treff. Preis und Menü wissen wir bis Dienstag. Aber, wenn Sie sich schon anmelden wollen, hier geht es: Feinschmecker-Treff




