Unser Chefredakteur schreibt darüber, wie herrlich es ist, nach all den Tagen und Wochen mit Sturm und Regen, wieder Ibiza und Formentera in der Sonne zu erleben…
Liebe Leser,

nach dem Wetterchaos der letzten Wochen haben wir endlich tolles Wetter auf Ibiza und Formentera. Sonne vom Aufgang bis zum Untergang – zehn Stunden lang. Das Meer glitzert, als hätte ein Riese einen riesigen Korb Diamanten über den sanften Wellen ausgeschüttet. Der Himmel ist von diesem einmaligen Mittelmeerblau, als würde man tief ins Weltall schauen.
Auf den Wiesen und Feldern blühen Millionen von Blumen – ein Meer von Gelb und Weiß, das sich im sanften Wind wiegt. Bunte Schmetterlinge flattern über das Blütenmeer. Bienen umschwirren die Blüten, als wenn sie nachholen wollten, was die Windböen wochenlang verhinderten. Bei Windstärken bis fast 100 km/h hatte keine Biene eine Chance, und der graue Himmel ließ die Blüten geschlossen.
Dazu der Duft nach den Kräutern der Inseln, nach Pinien und Meer. Dieser Duft Ibizas war es übrigens, der mich vor vielen Jahren sofort verzauberte. Ich landete zum ersten Mal auf der Insel, um für ein deutsches Magazin eine Reportage über die Insel der Hippies zu schreiben. Es waren die späten 1960er. Der Flieger aus Barcelona setzte auf der Landebahn auf und holperte. Eine Bahn aus Beton gab es nicht: Es war eine Lande-Wiese – eine staubige Wiese. Wir mussten eine Viertelstunde im Flugzeug bleiben, bis der Staub sich gelegt – und ein Priester das Flugzeug gesegnet hatte…
Dann wurden die Türen geöffnet, wir stiegen die primitive hölzerne Gangway hinunter – und da war er, der Duft der Insel: nach Blumen, Pinien, Kräutern und Meer. Ich war von diesem ersten Augenblick wie gefesselt. Ich spürte: Hier möchtest du einmal leben … Heute lebe ich auf Ibiza, und das schon seit vielen, vielen Jahren.
Wir haben uns heute von Freunden verabschiedet, von Doris und Hans-Theo aus dem Rheinland. Eine Woche waren sie hier. Natürlich viel zu kurz, wie sie selbst einsahen. Beim letzten Glas Wein auf unserer Terrasse mit dem Blick auf das Meer, den Hafen, die Mauern der Altstadt fragten sie: „Ihr seht das doch jeden Tag. Ist das jetzt für euch nicht normal? Nehmt ihr diesen wunderschönen Blick überhaupt noch richtig wahr?“
Ja, wir nehmen ihn wahr. Jeden Morgen, jeden Tag, jeden Abend. Und wir freuen uns über das Licht, das der Sonnenaufgang über die weißen Häuser des Fischerviertels La Marina legt. Über die klaren Linien und die Schatten, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Und vor allem über die Sonnenuntergänge, die den Himmel in Farben tauchen, die einem den Atem nehmen. Dann folgt die blaue Stunde, folgen die Lichter der Stadt, der Mond, der jetzt als schmale Sichel am Himmel steht.
Sie werden es spüren. Ich liebe die Insel wie damals, vor vielen Jahren, als ich sie entdeckte. Das wird mir besonders klar, wenn nach trüben Sturmtagen die Sonne wieder scheint. Heute werden Ibiza und Formentera wieder zum südlichen Leben erwachen. Der Spaziergang am Meer gehört dazu. Das Mittagessen in der Sonne und in einem der Restaurants am Strand.
Die ibizenkischen Familien werden zu zehnt oder mehr da sein und für fröhlichen Lärm sorgen. Von den Kindern, die begeistert ihr Limoglas umklammern, bis zu den Großeltern, die den Wein genießen. Sie erzählen von ihrer Jugend auf dem Feld oder im Fischerboot. Von den Zeiten, als es nur ein paar Bretterbuden am Strand gab, wo der Fischer seine Gambas über dem offenen Feuer in der Paella-Pfanne briet.
Und die Jungen hören zu, was die Alten erzählen. Mir fällt immer wieder auf, wie viel Liebe und Respekt die jungen Leute den älteren Menschen entgegenbringen, wenn die Familie sonntags beim Essen zusammensitzt. Da wird auch das Handy aus der Hand gelegt, der Freundin kann man nachher noch ein paar Zeilen schreiben. Jetzt sind das fröhliche Zusammensein und die Gespräche wichtiger. Und weil jeder spricht, wird es immer lauter. Nein, da wird nicht geschimpft, da wird fröhlich geredet. Spanien eben…
Wenn Sie heute noch einen Tisch im Restaurant am Strand haben wollen, gibt es nur einen Weg: Kommen Sie früher als die Spanier. Die sind meist erst mittags um zwei da, kommen Sie einfach um eins. Und wenn Sie ganz sicher sein wollen, können Sie ja reservieren. Das machen die Spanier auch.
Ich suche für sonntags meist ein Restaurant aus, das ein gutes Stück weg ist von meinem Haus in Jesús. Das kann Santa Gertrudis sein, die Cala Sant Vicent, oder die Cala Vadella. Der Grund: Dann fahre ich über Land, vorbei an den Wiesen, die der Nickende Klee in ein Meer von Neon-Gelb verwandelt hat. Über versteckte Straßen, die durch Pinienwäldchen führen, die so herrlich duften. Und überall die Natursteinmauern, die jahrhundertealten Olivenbäume.
Natürlich haben die weiten Wege zum Restaurant im Dorf oder am Strand auch einen Nachteil: Man muss sich beim Wein zum Essen zurückhalten, wenn man fährt. Und sich auch an diesen Vorsatz halten. Nicht nur wegen der Polizei, die an den Straßen zu den Restaurants gerne Alkoholkontrollen macht. Die dann dem Sünder bei der Überschreitung der 0,25-Promille-Grenze in der Atemluft (0,5 im Blut) gleich das Ticket über 1000 Euro in die Hand drückt. Viel schlimmer wäre es, wenn man in einen Unfall verwickelt wird. Ich möchte nicht mit der Last leben, dass vielleicht durch meine Schuld Menschen zu Schaden gekommen sind.
Natürlich bin ich nicht frei von der Verlockung, zum Essen in der Sonne den Wein zu genießen, wie es einfach zum Leben in Spanien gehört. Aber dann bleibt mein Auto stehen. Mit dem Taxi geht es nach Hause, mit einem Taxi am nächsten Tag zum Restaurant zurück, um mein Auto abzuholen.
Heute sind wir übrigens nicht am Strand, sondern mit unseren Lesern beim ersten IbizaHEUTE-Feinschmecker-Treff des Jahres mittags im Casa Colonial. Ich freue mich sehr darauf. Und hoffe, dass auch Sie einen schönen Sonntag haben. Ganz gleich, ob es auf unseren Sonnen-Inseln oder bei Ihnen zu Hause in Deutschland oder Österreich ist. Genießen Sie den Sonntag mit netten Menschen, wo immer Sie sind.




