Der Druck auf Ibiza und Formentera nimmt spürbar zu: Verkehrsprobleme, steigende Müllmengen und überlastete Sozialsysteme rücken immer stärker in den Fokus der Politik.
Die Präsidenten der Inselräte von Ibiza und Formentera, Vicent Marí und Óscar Portas, haben sich am gestrigen Mittwoch zu einem gemeinsamen Arbeitstreffen getroffen. Mit dabei waren auch die Vizepräsidentin des Inselrats von Ibiza, Sara Ramón, sowie die Vizepräsidenten Formenteras Verónica Castelló, Javier Serra und Hugo Martínez.
Kostenloser Bus für unter 18-Jährige
Beide Inselräte haben vereinbart, dass alle unter 18-Jährigen künftig den öffentlichen Busverkehr auf Ibiza und Formentera kostenlos nutzen können. Auch Schüler, die auf einer Insel wohnen und auf der anderen zur Schule gehen, sollen davon profitieren.
Die Umsetzung soll noch in diesem Jahr erfolgen – ein entsprechendes Abkommen ist in Vorbereitung.
Verkehr: Missbrauch bei Fahrzeugkontingenten
Im Bereich Mobilität wurde das bestehende System zur Begrenzung des Verkehrsaufkommens (Ibiza Circular und Formentera.eco) überprüft.
Dabei stellten beide Inselräte fest, dass es zuletzt zu Problemen kam: Teilweise wurden Fahrzeugkontingente auf beiden Inseln reserviert, ohne sie anschließend zu nutzen – zulasten anderer Nutzer.
Zudem wurde klargestellt:
• Beruflich genutzte Fahrzeuge sind von der Regelung ausgenommen
• Fahrzeuge aus Formentera werden bei Ein- und Ausreise am selben Tag nicht auf das Kontingent angerechnet

Migration: Betreuungssystem stark überlastet
Ein zentrales Thema war die zunehmende Belastung der sozialen Dienste durch die Ankunft unbegleiteter minderjähriger Migranten.
Aktuelle Zahlen:
• Ibiza: 114 betreute Minderjährige (Migration) + 104 im regulären System
• Formentera: 150 (Migration) + 10 im regulären System
Damit entfallen rund 70 % der betreuten Minderjährigen auf Migration.
Beide Inselräte fordern deshalb:
• rechtliche Anpassungen zur Unterscheidung der Systeme
• stärkere Verantwortung des Staates
Vicent Marí betonte, dass die Inseln weder über ausreichend Einrichtungen noch Kapazitäten verfügen, um diese Situation dauerhaft zu bewältigen.

Museen: Mehr Kompetenzen für die Inseln
Auch der Kulturbereich war Thema. Beide Inselräte setzen sich dafür ein, die Zuständigkeit für Museen vom balearischen Staat zu übernehmen – wie bereits auf Mallorca und Menorca.
Im Fokus steht dabei insbesondere das „Museo Arqueológico de Eivissa y Formentera“ sowie die geplante Schaffung eines ersten Museums auf Formentera. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll den Übergang vorbereiten.
Müllproblem betrifft beide Inseln
Ein besonders wichtiger Punkt war die Abfallproblematik, die sowohl Ibiza als auch Formentera betrifft.
Die Mülldeponie auf Ibiza „Ca na Putxa“, die von beiden Inselräten verwaltet wird, steht kurz vor dem Ende ihrer Kapazitäten.
Als Lösung ist ein Pilotprojekt zum Mülltransport nach Mallorca (TIRME-Anlage) geplant.

Wichtige Fakten:
• 91 % des Mülls stammen aus Ibiza
• 9 % aus Formentera
• Kosten des Mülltransports nach Mallorca: rund 10 Millionen Euro pro Jahr
Beide Inselräte wollen erreichen, dass diese Kosten über die Touristensteuer (Impuesto de Turismo Sostenible) mitfinanziert werden.
Hintergrund:
Im Sommer verdoppelt sich die Bevölkerung auf Ibiza, auf Formentera verdreifacht sie sich sogar, was die Müllmenge entsprechend stark erhöht.
Óscar Portas betonte, dass es daher sinnvoll sei, auch den Tourismussektor an der Finanzierung der Lösung zu beteiligen.




